Sparen auf Kosten der Schwächsten?

Lebenshilfe Amberg-Sulzbach: Förderangebote bedroht

Sparen bei den Schwächsten?

Lebenshilfe schlägt Alarm: Finanzengpass bedroht Förderangebot

Die Sparwelle hat auch die Lebenshilfe Amberg-Sulzbach erreicht. Lebenshilfe-Geschäftsführer Walter Jokiel sieht das Förderangebot für Behinderte in Gefahr.

Amberg-Sulzbach: Derzeit werden 628 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderungen in Einrichtungen der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach gefördert. Die Maßnahmen zielen darauf ab, ihnen ein möglichst selbständiges Leben zu ermöglichen.

Doch durch die öffentlichen Sparzwänge ist das Angebot in seiner bisherigen Form vermutlich nicht mehr aufrecht zu erhalten. Die Pflegesätze wurden 1994 eingefroren und sind seitdem nur pauschal angehoben", so Lebenshilfe-Geschäftsführer Walter Jokiel zur Rundschau. Doch die Kostenanpassungen hätten nicht gereicht, um den Kostenaufwand der Einrichtung abzudecken. "Wir haben eine Finanzlücke."

Durch notwendigen Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Gebäuden habe sich das Finanzloch weiter vergrößert. So ist inzwischen fraglich, ob ein Musik- und Kooperationsraum, ein EDV- und Medienraum sowie diverse Gruppen- und Therapieräume vom Bezirk und dem Kultusministerium als Kostenträger weiterhin bezuschusst werden. "Dabei fordert der Staat, dass wir Kooperationsmaßnahmen gemeinsam mit den Regelschulen durchführen" so Jokiel. Dafür aber brauche man entsprechend ausgestattete Räume.

Insgesamt werden die finanzielle Ausstattung der Lebenshilfe "immer unzureichender" so Walter Jokiel. "Was früher in den staatlichen Vorgaben als "notwendig" erachtet wurde, wird jetzt nurmehr als" wünschenswert, aber nicht notwendig" bezeichnet. Mit den verstärkten Einsparungen gehe ein "unglaublicher Bürokratismus" einher,klagt der Lebenshilfe-Geschäftsführer. Denn um Kostensicherheit zu haben, müsse jede Maßnahme beantragt und genauestens begründet werden. "Und dieser Aufwand stranguliert uns fast", so Jokiel. Die finanzielle Lage der Lebenshilfe wird verschärft durch den Umstand, dass die Zahl der betreuten Kinder und Schüler um neun Prozent zugenommen hat. Denn die Zahl von Kindern mit Förderbedarf ist laut Jokiel insgesamt im Steigen begriffen: "Allgemein ist eine Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern festzustellen", so Jokiel, der die Reizüberflutung, zum Beispiel durch den hohen TV-Konsum, für diese Entwicklung mitverantwortlich gemacht.

Wenn die Sparschraube nicht gelockert wird, "müssen wir Personal einsparen", fürchtet Walter Jokiel. Und darunter werde die Qualität und Vielfalt des Angebots leiden: "Die Kinder werden in ihrem notwendigen Förderprogramm eingeschränkt werden." Und das würde der immer wieder erhobenen Forderung nach Integration von Behinderten zuwiederlaufen.